Eroberung durch die Spanier


Eroberung durch die Spanier

Teil III: Die Eroberung durch die Spanier

Pizarros Suche nach Gold und Schätzen

Nachdem sie von Panama aus in Richtung Süden gesegelt waren, kamen Francisco Pizarro und seine Brüder 1528 zum ersten Mal mit einem Inka-Außenposten in Kontakt. Pizarro und seine Bande von kühnen Entdeckern hofften, ein vor Gold strotzendes Imperium zu finden, ähnlich wie das, das Cortés im heutigen Mexiko fand. Cortés Entdeckung des Aztekenreichs und seine Bereicherung an dessen Gold schuf eine ganze Generation von Entdeckern, die in seine Fußstapfen treten wollten.

Bürgerkrieg im Inkareich

Pizarro und seine Kumpanen hatten bei ihrer Fahrt entlang der Westküste Südamerikas von Einheimischen Geschichten über ein großes und mächtiges Imperium gehört. Als sie endlich dieses gelobte Reich erreichten, fanden sie eine Nation im Chaos, Tod und Bürgerkrieg vor. Die Pocken waren von Panama aus nach Süden gelangt, noch lange bevor irgendein Europäer Fuß auf diesen Boden gesetzt hatte. Die Krankheit wütete in Tahuantinsuyo zwischen 1524 und 1526 und tötete sowohl Adlige als auch zahlreiche einfache Bürger. Einige der Opfer waren Huayna Capac, der herrschende Inka zu dieser Zeit, und sein Erbe, zusammen mit dem großen Rest der königlichen Familie.

Ohne ausgewiesenen Thronerbe stürzte die Nation ins Chaos und es brach ein Bürgerkrieg um die Nachfolge aus. Huáscar war der theoretische Nachfolger seines Vaters Huayna Capac, aber er wuchs als verhätscheltes Kind in Cusco auf und hatte wenig Ahnung von Menschen- oder Kriegsführung. Sein Halbbruder Atahualpa allerdings wuchs in der Armee auf und kämpfte in den Schlachten um Ecuador. Auch wenn er nicht der rechtmäßige Thronfolger war, so hatte er doch seine Erfahrung, seinen Willen und die Unterstützung der Armee im Kampf gegen seinen Bruder Huáscar.

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Die Spanische Eroberung

Die Spanier betreten nun diese Szenerie und damit wird schnell klar, wie eines der mächtigsten Reiche aller Zeiten, sicher aber das mächtigste Reich seiner Zeit, des 16. Jahrhunderts, von einer kleinen Gruppe Bürgerlicher aus der Extremadura besiegt werden konnte. Verglichen mit dem damaligen Europa, war das Inkareich in vielen Belange überlegen.

Es war um einiges Größer und während Europa aus vielen kleinen Staaten bestand, die alle in Konkurrenz zueinader lebten, war das Inkareich ein riesiges vereintes Reich, das in Frieden, ähnlich dem Pax Romana, lebte. Die soziale Organisation war sehr fortgeschritten und die Europäer waren beeindruckt von der Gesundheitsversorgung und Schönheit der Städte, die nichts mit den dreckigen, überfüllten und von Krankheiten geplagten europäischen Großstädten gemeinsam hatten.

Widerlegte Annahmen über die Spanische Eroberung

Die Inkarüstung war ein Beweis für ihre handwerklichen Fähigkeiten und ihr Wissen über verschiedene Materialien. Sie war leicht und kühl aber trotzdem haltbar und fest, hergestellt aus Textilien, einem Material, das essentiell für die Inkakultur (und Kunst) war. Viele der Soldaten Pizarros empfanden die Inkarüstung der schweren, aus Metall hergestellten, europäischen Rüstung überlegen und es gibt Hinweise darauf, dass einige spanische Soldaten erbeutete Rüstung anstatt ihrer eigenen nutzten.

Der weit verbreitete Irrglaube, die Spanier hätten den Krieg aufgrund ihrer überlegenen Technologie gewonnen, ist auf verschiedenen Ebenen sowohl wahr als auch sehr falsch. Feuerwaffen waren zwar in der Unterwerfung Tahuantinsuyos entscheidend, aber nicht weil sie besonders effektiv töteten. Tatsächlich waren Musketen zur Zeit der spanischen Eroberung ineffektiv und ungenau. Für einen Bogenschützen der Inka war es ein leichtes, über eine größere Distanz und mit größerer Genauigkeit zu töten als ein spanischer Gewehrschütze. Der Vorteil der Muskete lag in ihrer Unbekanntheit.

Die Inkatruppen hatten nie zuvor Schießpulver gesehen und die Explosionen, der Lärm und der Gestank, den die Musketen verursachten, stiftete Chaos in der Armee der Inka. Verbunden mit berittenen spanischen Soldaten, ergab dies ein grauenhaftes Bild, das die Inka nie zuvor gesehen hatten und auch nicht verstanden. In Amerika ist das größte gezähmte Tier das Lama, das nicht stark genug ist, um geritten zu werden. Lamas dienten nur als Lastenträger oder Wolllieferanten. Die Spanier waren die ersten Menschen, die die Inkas auf einem Tier reiten sahen.

Die Schlacht von Cajamarca

Die Spanier nutzten diesen Fakt nachweislich zu ihrem Vorteil, um Atahualpa und seine Truppen am 16. November, 1523 zu überraschen, während diese in Cajamarca feierten. In der Schlacht um Cajamarca trieben die Spanier die Inka-Armee ins Chaos und nahmen Atahualpa gefangen. Dieser Schachzug stellte sich schnell als wichtig heraus. Wie konnten die Spanier nur jemanden gefangen nehmen, der einem Gott glich? Die Inka-Armee zog sich hastig zurück und es wurden wohl mindestens soviele Inkas totgetrampelt wie tatsächlich von den Spaniern und ihrer „überlegenen“ Technologie getötet wurden.

Gefangennahme von Atahualpa

Mit dem gefangenen Atahualpa in ihren Händen, wollten Pizarro und seine Bande zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits den Kopf des Reiches entfernen und sich andererseits dabei möglichst selbst bereichern. Sie wussten von der Eroberung Mexikos, dass das Reich schnell zusammenviel, sobald man den Anführer losgeworden war. Sie hielten also Atahualpa fest und verlangten für seine Freigabe einen ganzen Raum gefüllt mit Gold. Nachdem sie ihr Gold bekommen hatten, klagten die Spanier Atahualpa wegen der Ermordung seines Halbbruders Huáscar während des Bürgerkriegs an. Nicht überraschend wurde er für schuldig befunden und gehängt. Jetzt da der Herrscher aus dem Weg geschafft war, marschierte Pizarro nach Cusco.

Der Untergang Cuscos

In Cusco fanden Pizarro und seine Brüder dann den Rest des Goldes, das sie suchten. Eine ihrer ersten Taten war es, die Goldplatten, die viele Tempel verkleideten, zu entfernen. Cusco war tatsächlich die in Gold gehüllte Stadt, von der die Spanier geträumt hatten. Nach der Eroberung Cuscos etablierten Pizarro und Brüder ein neues spanisches Kolonialreich, nachdem sich der zuerst von ihnen eingesetzte Inka zu offensichtlich als Marionette herausstellte. Nach zahllosen blutigen Rebellionen wurde Cusco am 23. März, 1534 als Hauptstadt der neuen Kolonie begründet. Das heutige Peru nahm Form an und die Geschichte der Anden sollte von Neuem geschrieben werden.